Ibn Rushd Fund for Freedom of Thought

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Begrüßungsrede des Ibn Rushd Funds anlässlich der Verleihung des Ibn Rushd Preises an Aisha Odeh am 27.11.2015

Sehr geehrte Damen und Herren,


liebe Gäste!

Ich freue mich, Sie im Namen des Ibn Rushd Funds heute alle hier - bei der diesjährigen Verleihung des Ibn Rushd Preises für Freies Denken an die palästinensische Aktivistin und Autorin Aisha Odeh - begrüßen zu dürfen.


Ganz besonders begrüße ich an erster Stelle

 

  • Aisha Odeh, unsere Preisträgerin, die speziell für dieses Ereignis aus ihrer Heimatstadt Ramallah in Palästina angereist ist. Frau Odeh, wir begrüßen Sie ganz herzlich in Berlin.
  • Ebenso freue ich mich ganz besonders, unseren diesjährigen Laudator Herrn Subhi Hadidi zu begrüßen. Herr Hadidi, wir bedanken uns herzlich für Ihr Kommen, und dafür, dass Sie uns mit Ihrem wichtigen Beitrag unterstützen, Aisha Odeh heute zu ehren. Herzlich willkommen!
  • Außerdem freue ich mich im Namen des Ibn Rushd Funds, alle anwesenden Vertreter von Botschaften der arabischen Staaten heute hier begrüßen zu dürfen, insbesondere die Botschafterin Palästinas Frau ….. . Ich begrüße alle anwesenden Vertreter deutscher und arabischer Vereine und Organisationen, Institutionen und der Presse.

Ganz herzlich danken wir auch der Werkstatt der Kulturen dafür, unsere Feier in ihren Räumlichkeiten veranstalten zu dürfen.

Verehrte Damen und Herren,

Gefängnisliteratur ist unser diesjähriges Thema. Welche Art Literatur ist das, wie kann unter solchen Umständen Literatur entstehen?


Weil Schreiben lebensrettend sein kann, zumal in Zeiten der Isolation oft einer der wenigen, wenn nicht der einzige Weg der Kommunikation, und sei es mit dem Papier, dem die Schreibende ihre Geschichte und ihre Gedanken erzählt. Oft ist das gar nicht so leicht – man hat keinen Schreibtisch, auch Papier und Stift müssen erkämpft oder geschmuggelt werden. So entstehen die ersten Sätze als Kritzeleien auf Gefängniswänden, auf Toiletten- oder Zigarettenpapier, werden auf die Ränder von Büchern und Zetteln geschrieben; um sie aus der Zelle zu schmuggeln, nehmen Helfende Risiken auf sich. Denn es ist wichtig, was da entsteht, nicht nur die Erfahrungsberichte, sondern auch die Gedanken, die in solch einer absolut existentiellen Situation entstehen. Später werden daraus Werke verschiedenster Genres -  authentische Erfahrungsberichte, Briefe, Autobiografien, Gedichte und Romane.


In der arabischen Welt, dem Fokusgebiet des Ibn Rushd Funds,  ist die Gefängnisliteratur ein auffälliges Phänomen und sehr weit verbreitet. In keiner Zeit waren so viele Intellektuelle als politische Gefangene hinter Gefängnismauern verbannt, um sie für die Regime und der Besatzungsmächte unschädlich zu machen. Aber mundtot werden sie dadurch nicht, im Gegenteil: oft wird unter diesen Umständen ein Autor geboren, so auch unsere diesjährige Preisträgerin, Aisha Odeh, Palästinenserin und politische Aktivistin, die erst durch ihre Erlebnisse im Gefängnis zur Autorin wurde.


Innerhalb der arabischen Gefängnisliteratur nimmt die palästinensische einen prominenten Platz ein. Durch die seit über 67 Jahren fortdauernde israelische Besatzung kam den Dichtern und Schreiberinnen des Widerstands eine bedeutende Rolle zu bei der Stärkung des Nationalgefühls und der palästinensischen Identität.


laut der Statistik der Menschenrechtsorganisation „Addameer“  sind aktuell um die , 6700 Palästinenser in israelischen Haftanstalten, davon 2000 im Hungerstreik, 1400 ohne abgeschlossenes Verfahren, 450 in Administrativhaft, in der ohne Anklage Personen unbegrenzt in Haft gehalten werden können, 320 Minderjährige. Noch dazu haben sich die Haftbedingungen drastisch verschärft.


Um die Gefängnisliteratur als Feld des freien Denkens zu beleuchten, wurde der Ibn Rushd-Preis 2015 ausgeschrieben für:


eine Autorin/ einen Autor eines Werkes der Gefängnisliteratur (Roman, Dichtung, Sachbuch oder Autobiografie), der/die eine breite öffentliche Debatte über die Situation politischer Gefangener anregt, Unterdrückung und Verletzung von Menschenrechten aufzeigt, und das Recht auf Freiheit und Menschenwürde in der arabischen Welt einfordert.

Das Preisthema  wurde wie jedes Jahr in mehreren Sprachen ausgeschrieben und über die Medien publik gemacht. Jede und jeder Interessierte konnte einen Kandidaten/In nominieren, der oder die sich für das ausgeschriebene Thema qualifiziert. Wie in jedem Jahr wurde eine unabhängige, ehrenamtlich tätige Jury aufgestellt, um den Preisträger aus der Kandidatenliste zu wählen.
Die Gewinnerin des diesjährigen Ibn Rushd Preises – Aisha Odeh aus Palästina für den ersten Platz, sowie Mustafa Khalifa aus Syrien und Ahmed Marzouki aus Marokko für den Zweiten Platz – wurden unter insgesamt 18 Persönlichkeiten aus sechs arabischen Ländern ausgewählt. Die Entscheidung wurde getroffen von einer unabhängigen und ehrenamtlichen Jury bestehend aus: Mohammed Achaari (Marokko), Razan Ibrahim (Jordanien), Khaled Khalifa (Syrien), Samia Mehrez (Ägypten), Samuel Shimon (Irak).
Mehr Informationen zu den Jurymitgliedern finden Sie auf der Webseite des Funds in mehreren Sprachen.

Für die hervorragende Arbeit der Mitgliedern der diesjährigen Jury bedanken wir uns sehr herzlich.

Ich werde an dieser Stelle nicht auf die Details der Arbeiten von Aisha Odeh eingehen, dies wird Herr Subhi Hadidi gleich viel besser tun als ich es je könnte. Ich möchte aber an dieser Stelle hervorheben, dass trotz der seit 67 Jahren andauernden brutalen israelischen Besatzung, die von Europa und den USA geduldet und unterstützt wurde und wird,    und trotz der täglichen gravierenden Menschenrechtsverletzungen durch den israelischen Staat, Generationen von palästinensischen Freidenker/Innen und Weltverbesserer/In erwachsen sind, von denen viele für den Ibn Rushd Preis nominiert und von unseren unabhängigen Jurys mit dem Preis ausgezeichnet wurden. Dazu gehören neben unserer diesjährigen Preisträgerin Aisha Odeh auch die palästinensische Frauenrechtlerin Isam  Abdelhadi im Jahr 2000, der Politiker und ehemalige Oppositionsparlamentarier Azmi Bishara im Jahr 2002 und die Sängerin und Aktivistin Rim Banna im Jahr 2012.  Mit Gewalt und Brutalität kann man vielleicht Armeen besiegen, nicht aber ein Volk und seinen Existenzwillen brechen.

Frau Odeh, wir sind stolz auf Sie und auf Ihr konstruktives, revolutionäres Werk im Kampf für ein freies und eigenständiges Palästina, in dem Frauen und Männer nicht nur frei und in Frieden, sondern auch gleichberechtigt leben können. Vielen Dank. Seien Sie herzlich willkommen.